Was ist die degressive AfA?
Die degressive AfA ist eine besondere Form der Gebäudeabschreibung, bei der zu Beginn der Nutzung deutlich höhere Beträge abgesetzt werden können als bei der linearen Variante. Statt eines festen Prozentsatzes auf den ursprünglichen Kaufpreis werden jedes Jahr 5 % vom jeweiligen Restwert abgeschrieben. Dadurch ergibt sich ein sinkender Abschreibungsbetrag über die Jahre – mit besonders hohem Steuereffekt in den ersten Jahren.
Gültigkeit und Voraussetzungen
Die degressive AfA wurde im Zuge des Wachstumschancengesetzes wiedereingeführt und gilt befristet für Neubauten und Erstkäufe:
- Zeitraum: Baubeginn beziehungsweise Erstkauf zwischen 1.10.2023 und 30.09.2029
- Objektart: Wohngebäude
- Nutzung: Vermietung oder Eigennutzung mit teilweiser beruflicher Nutzung
- Wechseloption: Ein Übergang zur linearen AfA ist später jederzeit möglich – sinnvoll, sobald der Restwert klein genug ist, dass die lineare AfA höhere absolute Beträge bringt
KfW-Kombination möglich
Besonders attraktiv wird die degressive AfA in Verbindung mit den KfW-Förderkrediten:
- Effizienzhaus EH 55 – Förderung über KfW-Kredit 296
- Effizienzhaus EH 40 – Förderung über KfW-Kredit 297/298 mit zinsverbilligten Konditionen
So lassen sich steuerliche Vorteile und günstige Finanzierung kombinieren – ein wesentlicher Hebel für die Eigenkapitalrendite.
Praxisbeispiel
Neubau-Eigentumswohnung 350.000 € (Gebäudeanteil 280.000 €)
Zum Vergleich: Bei linearer AfA mit 3 % wären über 5 Jahre nur 42.000 € abgeschrieben worden. Die degressive Variante bringt also rund 21.000 € mehr Abschreibungsvolumen in den ersten fünf Jahren – das führt bei 42 % Steuersatz zu einer in diesen fünf Jahren um etwa 8.800 € niedrigeren Steuerlast. Dieser Betrag ist vorgezogen und gleicht sich über die Gesamtlaufzeit aus.
Wie sich degressive und lineare AfA rechnerisch unterscheiden
Beide Verfahren schreiben denselben Gebäudewert ab. Der Unterschied liegt nicht in der Höhe insgesamt, sondern in der zeitlichen Verteilung.
- In den ersten Jahren fällt der degressive Betrag höher aus. Im Rechenbeispiel oben sind nach fünf Jahren 63.342 € abgeschrieben, linear wären es 42.000 € – eine Differenz von rund 21.000 €.
- Dieser Betrag ist vorgezogen, nicht zusätzlich. Der Abschreibungssatz bemisst sich am sinkenden Restwert, die späteren Jahre fallen entsprechend niedriger aus. Über die Gesamtlaufzeit gleicht sich der Unterschied aus. Der Effekt ist also ein Liquiditätseffekt in den frühen Jahren, keine dauerhaft niedrigere Steuerlast.
- Er wirkt nur, soweit zu versteuerndes Einkommen vorhanden ist. Bei niedrigerem Grenzsteuersatz fällt die Entlastung entsprechend geringer aus.
- Ein Wechsel zur linearen AfA ist zulässig (§ 7 Abs. 5a EStG). Rechnerisch interessant wird er ab dem Jahr, in dem 5 % des Restwerts unter den linearen Betrag fallen (siehe „Wechsel zur linearen AfA“).
- Die Sonderabschreibung nach § 7b EStG ist mit beiden Verfahren kombinierbar – mit der linearen AfA nach § 7 Abs. 4 EStG ebenso wie mit der degressiven nach § 7 Abs. 5a EStG, sofern deren Voraussetzungen erfüllt sind. Sie beträgt 5 % jährlich über vier Jahre; ihre Bemessungsgrundlage ist auf 4.000 € je m² Wohnfläche begrenzt, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten dürfen 5.200 € je m² nicht überschreiten.
Welche Variante im Einzelfall günstiger ist, hängt von der persönlichen Steuersituation ab und gehört in die Hand eines Steuerberaters.
Wechsel zur linearen AfA
Da die degressive AfA jedes Jahr kleinere Beträge liefert, kommt irgendwann der Punkt, an dem die lineare AfA absolut höher wäre. Genau dann lohnt sich ein Wechsel. Steuerlich ist dieser Übergang einmalig möglich – die Berechnung erfolgt dann auf den Restwert mit dem linearen Satz auf die Restnutzungsdauer.
Fazit
Die degressive AfA ist eines der attraktivsten Steuerinstrumente für Kapitalanleger, die zwischen 2023 und 2029 in Neubauten investieren. Besonders in Kombination mit der Sonder-AfA und einem KfW-Förderkredit entstehen Hebel, die mit der einfachen linearen Variante nicht erreichbar sind. Eine individuelle Berechnung durch einen Steuerberater ist hier besonders wertvoll, da die Wahl zwischen linear und degressiv langfristige finanzielle Auswirkungen hat.